Dienstag, 9. April 2013

Keine zweite Staffel - Fünf sehenswerte Comedy Serien

Eine Sammlung von Comedy Serien, die nach der ersten Staffel eingestellt wurden und dennoch - oder gerade deshalb? - sehenswert sind.

Whites
BBC Two, 2010, 6 Folgen

Whites spielt in der Großküche eines Hotels und zeigt uns die mehr oder weniger gescheiterten Existenzen der Gastronomie-MitarbeiterInnen inklusive diverser Konkurrenzkämpfe und mancher Romanzen. Es handelt sich um eine Ensemble-Sitcom mit klingenden Comedynamen wie Katherine Parkinson (The IT Crowd), Alan Davies (QI) oder Darren Boyd (Green Wing). Geboten wird subtiler Humor, der dennoch darauf getrimmt ist, dass kaum eine Minute vergeht, ohne ein lautes Auflachen bei der ZuschauerIn zu provozieren.

Zu kritisieren wäre die starke Männerdominanz, die ausnahmsweise - das macht es aber eigentlich noch schlimmer - in der Grundkonstellation gar nicht angelegt ist. Im Zentrum stehen die von Davies und Boyd gespielten Figuren, während die von Parkinson, Isy Suttie und Maggie Steed gespielten Figuren kaum entwickelt werden. Vielleicht war das für die zweite Staffel geplant. Man wird es (leider) nie erfahren.

Nathan Barley
Channel 4, 2005, 6 Folgen

Da die Hipster-Plage auch 2013 nicht abzureißen scheint, muss an dieser Stelle die (Anti-)Hipster-Satire Nathan Barley weiter gehypt werden. Die Idee zur Serie stammt von Charlie Brooker und Chris Morris.

Inhaltlich hohle, latent opportunistische, auffällig gekleidete Vollpfosten bevölkern die Zeitungsredaktionen, geistes- und kulturwissenschaftliche Studiengänge, den Kunstsektor und die Kunstkritik. Soweit die traurige Wirklichkeit. Nun zur Serie: Wer obige Zustandsbeschreibung toll findet, wird sich mit Fun-Blogger, Start-Up Unternehmer und Berufssohn Nathan Barley (Nicholas Burns) gut identifizieren können. Wer das scheiße findet, wird wahlweise zur auf Selbstausbeutungsbasis arbeitenden, verhinderten sozialkritischen Dokumentarfilmerin Claire Ashcroft (Claire Keelan) oder zu ihrem Bruder, dem vereinnahmten Kulturkritiker Dan "Preacher Man" Ashcroft (Julian Barratt) Sympathien entwickeln.

Dirk Gently
BBC Four, 2011-2012, 4 Folgen

Es ist die kürzeste der hier angeführten Serien. Lediglich ein Pilot und drei weitere Folgen wurden von Dirk Gently, einer lose auf den gleichnamigen Detektivromanen von Douglas Adams aufbauenden Serie, produziert. Dabei wären die beiden zu Lebzeiten erschienen Dirk Gently Romane sowie das posthum herausgegebene Romanfragment voller Ideen für weitere Folgen. Die BBC sah das leider nicht so, weshalb die Serie zum Bedauern von Hauptdarsteller Stephen Mangan, eingestellt wurde.

Enthält Zeitreisen, Verfolgungsjagden, Künstliche Intelligenz und Scientific Jokes. Der elektrische Mönch und der zweifelnde Lachs fehlen.

Brass Eye
Channel 4, 1997 und 2001, 7 Folgen

Die Nachrichten-Satire Brass Eye (Channel 4) brachte es auf lediglich sechs Folgen und ein Special, schaffte es aber dennoch, jede Menge Staub aufzuwirbeln. Unter anderem gelang es dem Team, einen konservativen Unterhausabgeordneten zu motivieren, eine parlamentarische Anfrage zur Designerdroge "Cake" einzubringen. Die gefährliche Wirkung der "tschechoslowakischen" (wir schreiben das Jahr 1997!) Killerdroge: Doppelkinn, Bluthochdruck und schlimmstenfalls ein früher Tod durch Herzinfarkt und Schlaganfall.

Mit dem 2001 produzierten "Pedophile Special" wurde die widersprüchliche Berichterstattung der Boulevardmedien in Bezug auf sexualisierte Gewalt gegen Minderjährige karikiert. Wenig überraschend wurde Brass Eye kurz nach der Ausstrahlung selbst zur Zielscheibe der Tabloids. Den Vogel schoss der Daily Star ab, der neben einen erzürnten Bericht über Brass Eye einen Artikel über die damals 15jährige Charlotte Church abdruckte, der in Anspielung auf ihre Brüste mit "She's a big girl now" betitelt war.

Brass Eye ist eine Mischung aus RTL Extra, N24 und Spiegel TV - präsentiert von einem testosterongeladenen Kleinbürger (Chris Morris), garniert mit mit Interviews, bei denen die Interviewten darüber im Dunkeln gelassen wurden, dass sie in einer Satire Sendung gelandet sind.

Let them eat Cake
BBC One, 1999, 6 Folgen

Eine im Vorfeld der Französischen Revolution am Hofe Ludwig XVI angesiedelte Sitcom. Zentrum der Handlung bilden Colombine, Comtesse de Vache (Jennifer Saunders) und die Hofangestellte Lisette (Dawn French).

Der Name der Sitcom weißt darauf hin: Auch eine nicht wirklich gesellschaftsfähige österreichische Prinzessin (Elizabeth Berrington) spielt eine - wenn auch vergleichsweise kleine - Rolle. Dass wer kein Brot hat, doch Kuchen essen solle, hat sie - hier ist die Serie historisch korrekt - auch in Let them eat Cake nicht gesagt.


Kommentare:

  1. Gerade Whites fand ich zum schreien komisch. Schade, dass es davon nicht noch weitere Folgen gab. Auch Let them eat Cake habe ich kurz verfolgt (wenn man das bei sechs Folgen so nennen kann), hat mich aber nie so wirklich abgeholt.

    AntwortenLöschen
  2. Dirk Gently musste definitiv zu früh sterben! War einfach genau mein Geschmack diese Sitcom aber am Ende entscheiden eben (leider) die Quoten und die müssen wohl nicht gestimmt haben.

    AntwortenLöschen