Montag, 5. März 2012

Roland Düringer im Club 2: Die regressive "Utopie"

Was sich in den politischen Auftritten von Roland Düringer und Georg Schramm ausdrückt, hat wenig mit emanzipatorischer Gesellschaftskritik zu tun. Kapitalistische Verhältnisse werden nur vorgeblich (im Fall von Schramm) bzw. gar nicht (im Fall von Düringer) kritisiert. Während Schramm eine Konkretisierung dieser Verhältnisse in strukturell antisemitischer Manier bei den bösen Banken und im Zins-System sucht, betont Düringer im Club 2 (ORF 2), dass es ihm nicht darum ginge Sündenböcke zu suchen (obwohl er das letztlich trotzdem tut). Schuld seien vielmehr wir alle und eine Lösung für dieses Problem sei der Rückzug aus der Sphäre des Politischen.

"Es braucht eine geistige Revolution" ruft Düringer mit viel Pathos den anderen Gästen des Club 2 zu. Wir sollen "gutes tun, solange das Geld noch eine Energie hat". Diese Zeiten seien bald vorbei, schiebt Düringer ein. Was er damit genau meint, verrät er jedoch nicht. Als konkrete Hanldungsoptionen bringt er Allgemeinplätze wie "Menschen helfen in meinem Umfeld". Durch Verzicht, so Düringer, "würden wir unheimlich viel Lebensqualität gewinnen".

‎"Wir haben die Spiritualität verloren", attestiert er. Um diese zurück zu gewinnen, sollen wir Gemüse wieder selbst anbauen, statt es im Supermarkt zu kaufen.[1] Denn das Geld wird, auch wenn er sich in diesem Punkt nicht sicher ist, weg sein - und zwar bald! Und während die Menschen in der guten alten Zeit immerhin noch in der Lage waren Lebensmittel selbst anzubauen, würde uns dieses Wissen mittlerweile fehlen.

Das fehlende Glück der Menschheit führt Düringer auf den zivilisatorischen Fortschritt zurück[2]. Er möchte diesen jedoch nicht in einem emanzipatorischen Sinn überwindet sehen, sondern verklärt dessen überkommene Vorformen zum Ziel gesellschaftlicher Entwicklung.

Menschen, für die Emanzipation aussieht wie urzeitliche Landwirtschaft - kurz nach der neolithischen Revolution - ist nicht zu trauen. Da ist der von Düringer gescholtene Supermarkt ums Eck alle mal besser - was freilich nicht heißt, dass er das Ende der Geschichte oder den maximal zu erreichenden Höhepunkt menschlicher Entwicklung darstellt. Um es noch deutlicher zu formulieren: Es gibt schlimmeres als Supermärkte - z.B. eine Gesellschaftsform, in der alle ihr Gemüse selbst anbauen müssen.

Roland Düringer im Club 2: Prolog
Roland Düringer im Club 2: Alle Parteien sind gleich - nur die FPÖ ist links
Roland Düringer im Club 2: Der Dritte Weltkrieg

Anmerkungen:
[1] Das Motiv des Gärtners ist auch in "Vom Systemtrottel zum Wutbürger" von Eugen-Maria Schulak und Rahim Taghizadegan zentral. Vgl.: Barbaba Tóth, "Nicht Wutbürger, sondern Gärtner", Falter: Wien 37/2011 vom 14.9.2011.
[2] Was diesen Punkt betrifft, drängt sich ein weiteres Mal ein Verweis auf Autoren der Kritischen Theorie auf. Stünde der Satz für sich, wäre er durchaus kompatibel mit Walter Benjamins Fortschrittskritik. Auch in der von Theodor W. Adorno gehaltenen Vorlesungsreihe "Zur Lehre von der Geschichte und von der Freiheit" findet sich ähnliches. Die Perspektive - so man überhaupt von einer Perspektive sprechen kann - ist jedoch bei beiden nicht der von Düringer propagierte Rückfall in den Feudalismus.


Kommentare:

  1. Du hast echt nichts, aber auch überhaupt gar nichts verstanden.
    Alleine schon der Einstieg mit der Antisemitismuskeule kündigt bereits an, dass es sich im weiteren um bloßes Geschwätz handeln wird. Was die Schrammsche Kritik am Zinssystem oder an der Diktatur des Finanzkapitals mit Antisemitismus zu tun haben soll, kann einem bei genauerem Nachfragen nie jemand schlüssig darlegen. Das unkritische dummdreiste Antisemitismusgeschrei ist dennoch sofort zur Stelle und zeigt sich somit als Waffe der 1% Systemprofiteure gegen die 99% Unterjochten, wobei weder die 1% noch die 99% in irgendeiner Weise eine homogene Masse ist. Der Verfasser obigen Textes ist ein braver knieender Diener, der von den 1% wohl ein paar Krümelchen hingeworfen bekommt und deswegen an den bestehenden Verhältnissen festhalten will. Was sonst sollte man dazu sagen?

    Die Kritische Theorie im übrigen, auf die in einer Weise verwiesen wird, als würde sie die unumstößliche letzte Wahrheit repräsentieren, bietet in keiner Weise Falsifikationsmöglichkeiten, sondern ist eine von vielen beliebigen Interpretationsmöglichkeiten.

    Düringer und Schramm haben weit mehr verstanden als einer, der sich nicht-selbstdenkend und nicht-selbstfühlend hinter der Autorität von Adorno-Texten verschanzen muss.

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    1. Menschen, zu deren Wortschatz Begriffe wie "Antisemitismuskeule" gehören, qualifizieren sich ohnehin von selbst.

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  2. occupy yourself!6. April 2012 um 12:05

    @Anonym:
    Es ist sehr einfach, sich Sündenböcke zu suchen, um gesamtgesellschaftliche Schuld auf ihnen abzuladen. Dabei handelt es sich nämlich bei diesem 1 % vs. 99 % Denken. Als ob irgendjemand in diesem kapitalistischen System außerhalb stehen würde - wir sind alle Teil davon.

    Die Kritische Theorie hält genau das fest. Sie übt radikale Kapitalismuskrititk im Wissen, dass auch sie selbst teil des Systems ist. Sie setzt nicht darauf, die Mehrheit gegen Sündenböcke zu mobilisieren, sondern auf eine bessere Gesellschaft für alle, in der keine Sündenböcke gebraucht werden.

    Einen guten Text zum Thema findest du auf dem Blog von Daniel Kulla: http://www.classless.org/2011/10/10/occupy-yourself/

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  3. die düringer-faschos wollen wie alle neokonservativen das sozialsystem abschaffen. was ist mit leuten die keinen eigenen garten haben, zählen die für düringer überhaupt?
    düringer hat die flausen in seinem kopf übrigens von alex jones, jeff rense, henry makov, jane burgermeister, jim marrs et al. alles neokonservative pharmagegner und antisozialisten bzw. -kommunisten.
    burgermeister und marrs sind scientologen, wahrscheinlich alex jones auch, er thematisiert scientologie niemals...

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  4. Etwas seltsam mutet die Debatte schon an, wenn jeweils mit rechten Argumentationsfiguren linke Positionierung behauptet bzw. vorgetäuscht wird. Das gilt für schwammiges Gesumse im "Jargon der Eigentlichkeit" darüber, daß "wir alle Teil des Systems" seien, woraus sich in naturalistischer Analogie ergibt, daß die Verhältnisse an und für sich heillos verstrickt und unveränderbar seien, ebenso wie für die pauschale Abqualifizierung der Kritischen Theorie mit dem unbelegten Vorwurf mangelnder Falsifizierbarkeit, womit der analytische, dialektische, für politische Formierung mithin wenig instrumentalisierbare, Ansatz der Kritischen Theorie wohl zugunsten stringenter ideologischer Wahrheiten desavouiert werden soll. Am ärgerlichsten ist jedoch die massive Denunziation des aufklärerischen Kabarettisten Georg Schramm als Antisemiten, weil dieser einen zentralen Kern des Kapitalismus, nämlich das Banken-und Finanzsystem, zu kritisieren sich untersteht. Diese Logik läuft einerseits darauf hinaus, jegliche Kritik an der Verschleuderung öffentlichen Eigentums durch Finanzmanipulateure, der Hungerverelendung des Trikont nicht zuletzt durch kriminelle, also ordinär kapitalistische, Organisationen wie Weltbank und Weltwährungsfonds, der Alleinhaftung des Geringverdieners für Spekulationsverluste in Form sog. Bankenrettungsschirme, mit der Drohung, ansonsten als Nachfahre Hitlers enttarnt zu werden, der doch ein Homunculus des Kapitals war, zum Schweigen zu bringen. Das reaktionäre Ziel dieses unter schamloser Instrumentalisierung der Shoah und kalkulierter Vortäuschung, antisemitische Diskursfiguren aufzuzpüren und zu enthüllen, ausgedünsteten Verleumdungsnebels besteht keineswegs in einer Bekämpfung von Reaktion, Faschismus und Antisemitismus, sondern im Gegenteil ausschließlich in durch moralische Erpressung bewirkte Verschleierung der bestehenden Verhältnisse. Krupp und Krause werden gleichgesetzt, wobei Krause per se den Kürzeren zieht. Daß die zugrundeliegende Denunziationslogik im Umkehrschluß implementiert, das Bankensystem sei in der Tat "jüdisch" dominiert, bleibt den Eiferern in ihrem Furor womöglich verborgen. Zudem kommt die Denunziation, wie in diesem Falle, allzumeist ohne konkrete Belege aus, die man in einem Gerichtsverfahren fairerweise dem Angeschuldigten doch wenigstens entgegenhalten würde. Im großen Internetgerichtshof aber kann jede Anklage, und gerade die schwerste, leichthin ohne jeglichen Beweis als unabänderliche und unkritisierbare Wahrheit, in Fällen wie diesen gar als letztinstanzliches Urteil eines selbsternannten Weltgerichts, hinausposaunt werden - dies irae. Nur handelt es sich auch und gerade hier lediglich um einen kleinen Netzblog, der, wie in web 2.0 üblich, beiläufiges und nichtiges Geplapper als Weltweisheit ausgibt.

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  5. ach quatsch, düringer ist auch nur ein werkzeug einer faschistisch-kapitalistischen elite.

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