Dienstag, 28. August 2012

The Revolution Will Be Televised. Not.

Candid Camera goes verkürzte Kapitalismuskritik. Oder: Die Welt - von Komikern falsch erklärt.

Heydon Prowse und Jolyon Rubinstein, Erfinder und zentrale Protagonisten von The Revolution Will Be Televised (BBC Three), kombinieren Character-Based Comedy mit dem "Versteckte Kamera"-Genre. Nicht wenige Strategien sind aus Formaten wie Da Ali G Show und Trigger Happy TV (beide Channel 4) hinlänglich bekannt. Vergleichsweise neu ist jedoch der mainstream-mediale Versuch, diese Genres auf Polit-Aktivismus zu trimmen, wobei sich das Format in seiner konkreten Umsetzung in vielerlei Hinsicht an Methoden anlehnt, wie sie u.a. von The Yes Men oder Pussy Riot praktiziert und für gewöhnlich unter dem Schlagwort Kommunikationsguerilla zusammengefasst werden.

Die erste Folge beginnt mit einer Reportage von - Achtung: sprechender Name - Dale Maily, der im Fox News Stil über eine "Occupy"-Demo berichtet. Der Geist dieser Bewegung, die in kaum einer Hinsicht einen Höhepunkt linker Gesellschaftskritik darstellt, zieht sich durch große Teile der Sendung. Böse Banken und Konzerne gehören zu den zentralen Angriffszielen von Prowse und Rubinstein, die ihre Interventionen durch Texteinblendungen über die Machenschaften der jeweiligen Institution ergänzen. Comedy, die es nötig hat, sich selbst zu erklären, kennt man sonst eher aus dem deutschsprachigen Raum.

Zweifellos hat es einen gewissen Reiz, wenn Prominente auf dem roten Teppich mit der einfachen Frage, was sie von den Kürzungen im britischen Gesundheitssystem halten, vollkommen überfordert sind. Gleichsam lustig ist es, wenn ein in Union Jacks gehüllter Straßenverkäufer, am Rande der Thronjubiläumsfeiern "Prince Harry DNA-Tests and Nazi-Armbands" und andere rufschädigende Devotionalien anbietet, die das konservativ-nationalistische Publikum sichtbar irritieren (wenn auch nicht wirklich provozieren). Wenn MitarbeiterInnen von Banken von Prowse und Rubinstein mehrfach als "Cunt" beschimpft werden und sie einen Demonstranten mit der Frage "Are you a man or a woman?" konfrontieren, erinnert das jedoch an einen weiteren unschönen Aspekt von Occupy – den Sexismus.

Der Einschätzung von britcoms.de, wonach The Revolution Will Be Televised "politisch, zutiefst aufklärerisch und doch komisch" sei, kann ich mich deshalb nur begrenzt anschließen. Politisch, ja. Zutiefst aufklärerisch, nein. Komisch, naja. Zwei weiße Männer, die im Gestus der überlegenen Satiriker bis auf wenige Ausnahmen nichts anderes als links gewendete Ressentiments liefern, sind in meinen Augen nicht der Gipfel gesellschaftskritischer Satire, sondern maximal ein Basislager, das an einem Holzweg errichtet wurde.


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