Freitag, 4. März 2011

Der 10 Punkte Leitfaden für erfolgreiche deutschsprachige Comedy

Du bist eigentlich nicht lustig, möchtest aber trotzdem als Comedian Karriere machen? Kein Problem! Mit diesem 10 Punkte Leitfaden für erfolgreiche deutschsprachige Comedians und solche die es werden wollen, wirst auch du es zu Reichtum, Anerkennung, regelmäßigen Fernsehauftritten und Stadiontour bringen.

1. Skurrile Gesichtszüge oder skurrile Kleidung können hilfreich sein. Wenn du komisch schauen kannst, wird niemand merken, dass du nicht komisch bist.

2. Mache Menschen die bezüglich gesellschaftlicher und medialer Macht unter dir stehen zur Zielscheibe deiner Witze. Trittst du doch hin und wieder nach oben, dann bitte so harmlos, dass die Betroffenen selbst drüber lachen können und es zur Aufwertung ihres und deines Images beiträgt.

3. Witze über sozial schwache! Am besten in Kombination mit rechtskonservativen Kampfbegriffen wie „Unterschichtenfernsehen“. Es wird (im weiteren Karriereverlauf) nicht auffallen, dass dich selbiges jahrelang finanziert und gefördert hat.

4. Eigne dir einen Gestus des "nicht dürfens" an. Alles was du machst, ist ein subversiver Tabubruch, egal wie konformistisch. Inszeniere dich gegebenenfalls als ein Opfer der "Political Correctnes".
Auch wenn du nicht in der Lage bist, zu sagen, was Political Correctnes eigentlich ist und wer dich konkret verfolgt: Keine Angst! Ein paranoides, latent verschwörungstheoretisches Weltbild voller Widersprüche fällt niemandem auf.

5. Werfe mit Floskeln wie (a) "Humor darf alles" oder (b) "Satire darf alles" um dich, wann auch immer du aufgrund rassistischer, sexistischer, homophober oder antisemitischer Witze kritisiert wirst. Derartige Floskeln könne auch präventiv eingesetzt werden und bei konkreten Anlassfällen um ein "Ich habe immer gesagt: ..." ((a) oder (b) einsetzen) ergänzt werden. Lang anhaltender Erfolg ist garantiert, wenn du möglichst nicht inhaltlich auf Kritik eingehst, sondern stattdessen konsequent alle KritikerInnen als humorlos, verklemmt und/oder verkrampft bezeichnest.

6. Obwohl Humor alles darf (vgl. oben): Verklage Menschen die Witze klauen, die du ebenfalls geklaut hast. Achte aber immer darauf, dass du nicht versehentlich die Menschen verklagst, die den Witz erfunden haben. Das kann nach hinten losgehen. Denn: Nichts reimt sich auf Urheberrechtsverletzung!

7. Nachhaltigkeit: Witze nicht nur einmal erzählen, sondern möglichst oft in verschiedenen Radio- und TV-Formaten recyceln. Ganze Bühnenprogramme lassen sich mit alten Witzen füllen.

8. Witze über das äußere Erscheinungsbild von Politikerinnen sind nie ein Fehler auf dem Weg zum Erfolg. Noch besser: Witze über Feministinnen und feministische Kritik. Eine Spaßgarantie: Witze über Opfer von Vergewaltigungen. Insbesondere wenn sie – bevor auch du dich noch über sie lustig machst – bereits wochenlang reißerischer Medienberichterstattung ausgesetzt waren.

9. Falls du selbst zu einer humorvoll diskriminierten Minderheit gehörst, kannst du trotzdem in der Branche Fuß fassen und zwar so: Versuche noch mehr Vorurteile als deine KollegInnen vor dir herzutreiben. Verkleide dich am besten selbst als wandelndes Klischee. Wenn man dich deshalb kritisiert antworte mit: Ich darf das, ich bin [Jude oder Jüdin/AusländerIn/schwul/Nazi/...] (nicht zutreffendes streichen / nicht genanntes gegebenenfalls ergänzen).

10. Wirklich gesellschaftskritischer Humor kommt schlecht an. Deshalb – wie bereits oben empfohlen – am besten Witze auf Kosten von Minderheiten wie Homosexuellen, AusländerInnen oder Mehrheiten wie Frauen machen. Dabei aber immer so tun, als wäre das gesellschaftskritisch. Vielmehr: die einzige wahre Gesellschaftskritik, die sich nicht von der 23-armigen Krake namens "Political Correctness" (siehe dazu Punkt 4) unterjochen lässt.

Kommentare:

  1. Die Oma von Mao Tsê-tung
    macht eine Urheberrechtsverletzung

    …und es reimt sich doch!

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  2. Grete Stadlbauer Thank you for your comment.
    Leitfaden

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